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Leipzig Zoro 15/7
Mit dem Vogtlandexpress nach Leipzig. Vogtland! Als ob da jemand hin wollen würde. Deswegen fährt der Zug, der mehr an eine Straßenbahn denn an ein Reisefahrzeug für den Fernverkehr erinnert, auch nur einmal am Tag: morgens nach Berlin, abends zurück. Da der Zug über Schönefeld fährt, sehen wir die Loveparade leider nicht, bis auf einige schlecht gekleidete Menschen am Alex mit unförmigem Körperbau obendrein. In Leipzig dann durch die Innenstadt schlendernd sich über die vielen Burschenschaftler echauffierend. Anschließend in einen Disput mit der Bedienung im Mövenpick-Café um den Rechnungsbetrag geraten. Nach Connewitz fahren. Wir sind immer noch hungrig. Im Zoro angekommen warten bis Beginn der Party. Plattenstand aufbauen neben Minor Label und den neuesten und auch alten Klatsch austauschen. In alten Ausgaben des Hakkerz-Fanzine blättern, in denen Menschen (geistiges Alter: 14) Foltergeschichten, die vermutlich bei Langeweile im Matheunterricht erdacht wurden, ausbreiten: Kleine Mädchen entführen und auf einen Stuhl fesseln und ihnen so lange Hardcore vorspielen, bis die Ohren bluten und sie einen geistigen Schaden davontragen. Aha. (In Gedanken notieren: Venetian Snares hat auch erhebliche Tendenzen, genau dieses Klientel zu bedienen). Der Gabberliveact mit "Drecksau"- T-Shirt vor uns überzieht und will trotz mehrfacher Aufforderung nicht aufhören. Ich muss mich also unbeliebt machen und ihm den Saft abdrehen. Noch unbeliebter mache ich mich, diesmal beim Publikum, mit der Ansage "Die Hardcore-Party ist jetzt vorbei". Denn den 4/4-Sound für glatzköpfige Leatherneckers haben wir nun echt nicht im Gepäck (das ist zu 10% geflunkert, 2 Mokumplatten hatte ich doch dabei). In Leipzig scheint sich das Gabber- und Speedcore-Abspaltungstheorem noch nicht vollzogen zu haben, es gibt nach wie vor gemischte Parties mit Breakcore. Mein neues IBM Thinkpad scheint zu laufen, einzig das Touchpad erweist sich aus suboptimal: mit schweissnaßen Fingern beim Headbangen läßt sich dieser Laptop eher nicht bedienen. Versus One haut Effekte mit dem Kaosspad in den Sound und ich schnappe mir an einigen Stellen das Mic zum mitsingen und ein paar Shouts geben, wenn ich nicht gerade meine Choreographie am Laptop durchführe. Nach anderthalb Stunden sind wir fertig. Versus One fängt an noch ein paar Platten zu drehen imPing-Pong mit DJ A.I. von Stoopid Plastic Recs und den Doom Bros. Es läuft harter Ragga Jungle und später mehr Breakcore. Ich muss regenieren, Versus One und Laura wollen noch mehr von dem Nudelsalat mit Apfel/Gurke und wir lassen uns die Geschichte des Zoros vom Veranstalter Inushini erzählen. Anschließend noch eine Runde tanzen und nach einem Bier ins Bett. Am nächsten Mittag das beste Brunch jemals im vegetarischen Restaurant im Vorderhaus verputzt – da müssen wir bald wieder hin. Den Rest vom Nachmittag dann im Conne Island chillen mit Cola und Bahamas-lesend. 2 der Veranstalter kommen noch vorbei zum Plausch über Politik und die Welt bis wir irgendwann nach Hause wollen. Wir verpassen dann sowohl Straßenbahn als auch Zug, werden im Roßmann noch Zeuge von einer rabiaten Aktion der häßlichen Ladendetektivin, sitzen in einem mittelprächtigen Starbucks-Clone. "Spektakel Kunst Gesellschaft" lesen ist nicht auf der Zugfahrt, ich bestaune lieber Landschaften in der Abendsonne. Gegen halb 11 dann zurück in Berlin. Darf man so zufrieden sein nach einem Wochenende? Das gehört schon fast verboten. Nochmal Danke an die Veranstalter!
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