* Startseite     * Archiv



* Themen
     Kulturindustrie, Praxis
     Kulturindustrie, Theorie
     Israel, vermischtes
     Politik, sonstige
     Neulich draußen
     Alltagswahnsinn

* Links
     Smashing Magazine
     code cult
     nichtidentisches
     Café Critique
     Zovjet Blog
     Shop Freelancer
     Berlin Termin
     wartezeit überbrücken
     Subwave
     La Banda Vaga Freiburg
     Schlechtes Wetter Hamburg
     scrupeda
     classless
     Sphinx
     Volker Radke
     Sexy Kapitalismus
     Krautkillah Soundsytem
     Praxis Records
     Ragga Jungle.com
     raggacore.com
     C8 - Breakcore portal
     Hagalil - Informationsportal






Der Held der Massen

Wir schreiben das Jahr 2006. "Die Autonomen" gibt es nur noch in Büchern und in zeithistorischen Museen. Wirklich? Nicht überall! In der Mitte Berlins hat sich eine Schar Laiendarsteller gefunden, die in ihrer Freizeit historische Uniformen trägt und längst vergangene Schlachten nachspielt. In diesen Schauspielvereinen macht besonders ein Protagonist von sich reden: "Gunnar" oder auch "Gunnaaaaaaa", wie er liebevoll von seinen Fans genannt wird. Diese tauchen zahlreich auf, dort wo sie mit seinem Erscheinen rechnen können. Sobald ihr Idol auftritt, gibt es kein Halten mehr. "Gunnnnaa, wir rächen dich" johlt es aus zig euphorischen Kehlen, wenn sie ihn bei einer Aufführung sichten, wie zum Beispiel am 1. Mai am Mariannenplatz in Kreuzberg. Er wird überschwenglich mit jovialem Schulterklopfen begrüßt und bekommt erstmal ein Bier in die Hand gedrückt (Sternburg rot, darauf schwört man hier). "Komm, sing uns nochmal einen" fordern sie ihn auf und da kann er sich natürlich nicht drücken. Spontan gibt er seine Reimkunst zum Besten: "Keine Sahne, Sahne, ich schwenke meine Fahne, Fahne" dichtet er da, noch ein wenig unbeholfen. Die Menge kommt in Fahrt."Mehr, mehr!" fordert sie nachdrücklich. "Ok, dann will ich mal" setzt Gunnar an. "USA und Israel wollen alle user Öl. Nur der Onkel Saddam, ist wem man vertrauen kann." Seine Fans sind außer sich und ziehen ihren Hut vor so viel Reimerei. Er setzt noch einen drauf: "Hut auf oder Hut runter, Hauptsache der Imperialismus geht unter. Geht der Bush dann nach Hause, trinke ich auch mal ne Brause." Kein Halten mehr, der Bürgersteig scheint nur noch aus einem Meer von "Gunna, Gunna"-rufenden Fans zu bestehen. Sie tragen ihn auf den Händen und werfen ihn in die Luft. Er versucht die tosende Meute zu beschwichtigen. "Genossen! Jetzt erstmal Freibier um auf unseren Kampf gegen das Schweinesystem anzustoßen!" Damit hat er natürlich gewonnen und kann sich der Loyalität der Massen sicher sein.
Stunden später ist die Sause endlich vorbei. Wir treffen in ihn in der Garderobe, als er gerade das Gesicht abschminkt und die Filzhaarperücke schon abgenommen hat: "War anstrengend aber ne geile Show heute, ich hab geil abgeliefert" meint er. Mehr will er nicht erzählen, er ist am Ende seiner Kräfte und murmelt uns noch zu "Morgen früh muss ich im Büro sein". Wir haben natürlich vollen Respekt für diesen großen Künstler und gönnen ihm seineb wohlverdienten Feierabend. Ein Leben als Kultperson ist nicht leicht – dafür wird er aber auch ordentlich entschädigt mit Tantiemen aus dem Verkauf seiner Merchandise-Artikel: T-Shirts, Tassen, Uhren, Plüschteddies – es gibt wohl keinen Gegenstand, der nicht mit Gunnars Gesicht und einer Auswahl seiner besten Kalauer bedruckt wäre wie "Gunnar sagt: Kli-Kla-Klassenkampf!" oder einfach nur "Gu-Gu-Gunnar". Tja – so ein Genie kann es wirklich nur einmal geben.


Das neue Video des Superstars gefunden via zovjet
25.8.06 11:03
 



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung