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Eine Frage

"Wie verhindern wir die Projekte der Firmenlobby Mediaspree und andere kommerzialisierende, verdrängende, yuppiesierende Groß- und Kleinprojekte in Kreuzberg, Friedrichshain und Mitte?"

Möchte der Initiativkreis "Mediaspree versenken!" in einer Ankündigung zu seinem Treffen wissen. Ich dagegen würde gerne wissen: wie lassen sich Scheußlichkeiten wie "Mediaspree versenken!" verhindern?

Mehr zu machen, als darauf hinzuweisen, dass hier Deutsche wie schon ihre Vorfahren das raffende Kapital bekämpfen wollen, lässt sich kaum. Ob sich dadurch die wahnhafte Ideologie dieser AntikapitalistInnen bekämpfen lässt, bleibt fraglich.
Besonders absurd daran, dass hier Bruchstücke soziologischer Theorien zur Begründung der eigenen Vorurteile verwendet werden. Da wird dann mit einem Rückgriff auf Lebensstil- Konzeptionen der vermeintliche "Yuppie" als Ersatzhassobjekt für den Juden aufgestellt.

Kurz: es geht hier um eine Initiative, die gegen den "Media Spree" Zusammenschluß, der in Berlin zwischen Jannowitzbrücke und Warschauer Straße diverse Bauvorhaben realisieren will.

Offen bleibt, wenn man die Texte der Protest-Initiative liest: Wer wird auf diesem Areal verdrängt? Dort wohnte niemand - dort will niemand wohnen, es gibt dort noch nicht einmal eine "alteingesessene Bevölkerung" (wie ansonsten bei Studien zu Gentrification eine Bevölkerungsgruppe in Wohngebieten klassifiziert wird). Das will man nicht wahrhaben und so wird händeringend "das alte Kreuzberg und Friedrichshain" gegen die "arroganten Politiker" verteidigt. Man selbst braucht weder Studien zu lesen noch Effekte kritisch abzuwägen, man weiß mit seinem gesunden Volksempfinden, was durch das Projekt passieren wird: "Wohnraum wird teuer, kleinere Gewerbe verschwinden, unkommerzielle Strukturen werden verdrängt."
Auch wenn es dort weder Wohnraum, noch kleine Gewerbe, noch unkommerzielle Strukturen gab, gibt und geben wird.

Dass einer der 23 Investoren bei Media Spree ein Rechtsverfahren gegen die Wagenburg "Schwarzer Kanal" angestrengt hat, wird als Vorwand benutzt, um hier eine Verbindung herzustellen, wo es keine gibt: das ganze Projekt würde auf nichts weiteres aus sein, als mutwillig alles und jeden zu verdrängen. Verschwörungstheorien hart an der Grenze zur klinischen Paranoia.
Aber weil man ans Protestieren gewöhnt ist, und dort den bösen Kapitalismus wittert, muss eben gegen die "lebensfeindliche Städteplanung" protestlert werden. Das nackte Leben gilt es schließlich zu schützen und in Stellung zu bringen gegen das abstrakte Kapital, dem verschiedenen Gesichter: Jude, Yuppie, Media Spree aufgemalt werden.
Wenn Deutsche den Kapitalismus kritisieren hört man immer die Volksgemeinschaft nachhallen in ihrer Wut auf das abstrakte Kapital, dem man an die Gurgel gehen und ihm alle vermeintlichen Kränkungen heimzahlen würde, wenn man denn nur könnte.


alle Zitate hier und da
23.10.06 12:47
 



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