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Die Andreas Hartmann Telenovela. Heutige Folge: Ad Noiseam

Hartmann, Hartmann, Hartmann. Eine Einführung in den Topoi ist redundant. Hartmann schreibt in Taz und Jungle World. Hartmann ist allmächtig. Hartmann ist eine fleischgewordene Legende. Auf die Knie, Unwürdige! Was bisher geschah, lässt sich hier nachlesen: http://www.scrupeda.net/wordpress/
In dieser Episode hat Andreas Hartmann das Label Ad Noiseam interviewt und daraus einen Artikel für den Feuilletonteil der Berliner Taz am 17.6.2006 gebastelt: Taz - "Man lebt nicht von Berlin"
Alle Zitate, sofern nicht anderes angegeben, hieraus.

Der Plot lässt sich gewissermaßen so zusammenfassen: Genauso wie Donnie Darko aus gleichnamigem Film hat auch Andreas Hartmann einen imaginären Freund. Er hört allerdings nicht auf den Namen "Frank", sondern auf "Breakcore" und ist ganz schrecklich böse. Zumindest immer dann, wenn er in Berlin auftaucht. Und dieses Wesen ist Schuld an all dem Übel - zum Beispiel an "hingeschlampten neueren Breakcore-Platten" (aus: Jungle World - Tötet Bob Marley!) Imaginär deshalb, weil niemand außer Hartmann weiß, wovon er da eigentlich schreibt. Niemand hat diesen für Normalsterbliche unsichtbaren Freund bisher zu Gesicht bekommen.

Und so wird jeder Artikel nach dem gleichen simplen Schema gestrickt: der imaginäre Breakcore fungiert als Buhmann und negative Referenzfolie, um den zu lobenden Artist (hier: Labelboss) als positives Gegenbeispiel zu präsentieren. Diesmal geht das so:

"Andere seiner [Ad Noiseams, Anm. d.A.] Breakcore-Platten würden gerade besonders gut in Holland und Belgien laufen, wo die Breakcore-Szene jung und frisch sei. Nicht so elitär und verkrampft wie in Berlin, wo eine sich als anarchisch und diffus links verstehende Szene versucht, der neue Punk zu sein."

Was in dem Abschnitt Aussage des Interviewten und was Einschätzung von Hartmann ist, ist, wie in anderen Abschnitten, nicht erkenntlich. Wozu auch, schließlich braucht Hartmann nur Stichwortgeber, woraufhin er seine Meinung, nach der niemand gefragt hat, ausführlich zum Besten geben kann. Und das ist exakt das gleiche bla-bla wie in den vorausgegangenen Artikeln der letzten Jahre zu selbigem Gegenstand.
Nachfragen? Allerdings: Wer soll dieser ominösen "Breakcoreszene in Berlin" angehören? Möglicherweise der von ihm vor einiger Zeit ebenfalls in der Taz gehypte Jason Forrest aka Donna Summer. Damals, am 1.6.2005 schrieb Hartmann in der Taz über dessen Label:

"Die letzte Platte von Duran Duran Duran ist auf seinem eigenen, erst vor kurzem gestarteten Label Cock Rock Disco erschienen. Überall gab es euphorische Rezensionen, schon ist die Rede davon, dass Breakcore mit seiner erfrischenden Punk- und DIY-Attitüde der nächste Trend werden könnte."
(aus: Taz - Die Welt des Jason Forrest
)
Damals Breakcore als Punk ganz gut, heute Breakcore als Punk ganz schlecht. Hauptsache eine Meinung zu allem haben, auch wenn diese sich gelegentlich ins Gegenteil verkehrt. Nach dieser Logik müssten es dann ja die in den eigenen Artikeln gelobten Acts aus Berlin sein, die elitär und verkrampft und.... ach, nein, bei soviel Nachgedachtem kann Hartmann nicht mehr folgen. Breakcore, das machen immer nur die anderen. Also lieber noch eine Runde darauf rumklopfen. Solche Phantomgegner haben schließlich den Vorteil, dass sie sich nicht wehren können gegen sinnloses Gebrabbel. Na dann, Ring frei:

"Das Problem von Breakcore als Jungsding ist freilich hausgemacht: Der Szene fällt es schwer, sich von ihren lächerlich gewordenen Dogmen, dem Härte-Machismo und ihren Ausschlussmechanismen zu verabschieden. Auch Chevreux hat da wenig Hoffnung."

Wie immer bleibt er konkrete Ausführungen für "lächerlich gewordenen Dogmen, dem Härte-Machismo und ihren Ausschlussmechanismen" schuldig. Wo diese beschriebenen Phänomene auftauchen außerhalb der Phantasie Hartmanns, ist nicht bekannt. Die besten Geschichten sind ja bekanntlich die, die man selbst erfindet. Falls es hier um die "Härte" des Sounds gehen sollte, könnte man genausogut einer x-beliebigen Crustband vorwerfen, keine Bob Dylan-Songs intonieren zu können oder wollen.

Und diese elendigen Schreibereien werden mit Hilfe der grausamsten Hilfsmittel zusammengekleistert. Als hätte Hartmann mit einem Soziologiestudenten im Erstsemester einen Abend lang in einer Kneipe gezecht und aus dieser Unterhaltung seine Begrifflichkeiten entwickelt. So sehen dann seine Koordinaten aus: "Nischenmusik ", " Randerscheinung", "Ausschlußmechanismen". Mit diesem kruden Mix aus Hobbysoziologie, Feuilleton-Dummsprech und Jugendslang, der vor gut 20 Jahren seinen Zenit bereits überschritten hatte, werden die Lesenden dann malträtiert. Dazu wird in grausigstem Schülerzeitungsdeutsch durch die Artikel gestolpert.
Sätze wie "Einmal hat Chevreux eine Party im Bastard veranstaltet, erzählt er, und wurde beschimpft, weil es zu kommerziell zugegangen sei." sind die Regel. Dududada.

Besonders schlimm dabei, dass Hartmann, bollerig auf den Tisch schlagend und sich, das Berliner Urgestein mimend, über den "Berlin-Hype" beschwert ( "Als Berliner hat man den Berlin-Hype einfach satt", aus "Die Welt des Jason Forrest" ), nur um exakt das gleiche Geschäft zu betreiben: nämlich neue oder vermeintlich neue Trends für das Feuilleton erschliessen. Wenn ein Label letztendlich bei Katalognummer 60 angekommen ist, wird es von Andreas Hartmann "entdeckt".
Doch zum Glück hat er das Monopol auf diese Art von Gefasel in den Kulturteilen von Taz (Berlin lokal) und Jungle World. Anderenfalls würde ziemlich bald herauskommen, welchen Mist er da eigentlich verzapft. So aber dürfte sein Zeilenhonorar gesichert bleiben. Immer nur weiter.

PS:"Gerade erst ist eine EP des psychedelischen Apokalypserappers Dälek aus New York erschienen, berühmt auch für seine scheppernden Beats."

Dälek heisst zwar auch der MC aber in erster Linie die Band selbst, die aus zwei (früher drei) Mitgliedern besteht und aus Newark, New Jersey und nicht New York kommt. Und Lyrics, die dem Eigenverständnis der Band nach politisch sind (aus: Dälek Interview Pitchforkmedia), als "Apocalypserap" zu klassifizieren, zeugt nun echt von feinster Unkenntnis.

18.6.06 00:06
 



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